World Usability Day 2013 in Berlin

Seit 2005 findet der World Usability Day weltweit gleichzeitig in zahlreichen Städten statt. Seitdem hat dieser Tag sich als ein qualitativ gut besetztes und für alle frei zugängliches Forum für aktuelle Themen und Trends im Bereich Usability etabliert. Die Perspektiven der Vortragenden waren diesmal breit gestreut, so dass sowohl Spezialisten als auch interessierte Laien auf ihre Kosten kommen konnten.

Schwerpunkt: Usability und Healthcare

Nach den Schwerpunktthemen „Bildung & Soziale Netzwerke“ (2011)  und „Finanzen & Service Design“ (2012), war der World Usability Day 2013 dem Schwerpunkt „Healthcare: Collaborating for Better Systems“ gewidmet. Eine nicht-repräsentative Frage während der Keynote zeigte, dass etwa die Hälfte der Berliner WUD-Besucher aus der Medizinbranche kam. Die gewünschte Mischung aus Experten des Gesundheitsbereichs und der Usability-Branche wurde offenbar erreicht.

Das diesjährige Thema betrifft Jeden: Wo bisweilen Sekunden über Schicksale entscheiden sind eindeutige, effiziente und effektive Bedienelemente und Benutzerschnittstellen ganz besonders wichtig. Dabei geht es nicht nur um visuelle Eindeutigkeit (“reicht es, unterschiedliche Steckdosentypen farblich zu markieren oder sollten andere/weitere Unterscheidungsmerkmale verwendet werden?”), sondern auch in weiten Teilen um die Gebrauchstauglichkeit von Prozessen.

Usability betrifft medizinische Prozesse

Nachdem man sich ein lange Zeit hauptsächlich der Gebrauchstauglichkeit einzelner Mensch-Maschine-Schnittstellen im medizinischen Sektor gewidmet hat, zeigt sich immer wieder, dass die Prozess-basierte Vernetzung dieser sehr unterschiedlichen Geräte und Anwender oft sträflich vernachlässigt wurde (Workshop). Beispielsweise können manuelle Zwischenschritte in weitestgehend automatisierten medizinischen Analyseverfahren erhebliche Zeitverzögerungen und Fehler bedeuten. Ein einfaches und schönes Beispiel für solch unbrauchbare Prozesse war das Abtippen von Analyseergebnissen aus gedruckten PDF-Dateien, um den nächsten Auswertungsschritt einer medizinischen Analysereihe ausführen zu können (Eröffnungsvortrag).

Technologie verändert Arbeit, Kommunikation und Recht

Auch in weniger kritischen Bereichen als der Notfall- oder Intensivmedizin führen neue Technologien zu veränderten Arbeits- und Kommunikationsprozessen, die neue Methoden und teilweise auch neue Rechtsgrundlagen benötigen. Beispielsweise erlebten sogenannte „Medical Apps“ für Smartphones in den letzen Jahren einen Boom. Für Hersteller solcher Anwendungen ist es dabei existentiell wichtig, die rechtlichen  Abgrenzungen zwischen „Lifestyle App“ und „Medical App“ genau zu kennen und an der richtigen Stelle im korrekten Wortlaut zu deklarieren. Sonst drohen Klagen und/oder ein Vertriebsverbot für das Produkt (Vortrag).

Networking in der Usability-Szene

Die Organisation der Berliner Veranstaltung war auch dieses Jahr wieder hervorragend. Entsprechend entspannt war auch die Atmosphäre im zentralen Ausstellungsbereich, die zum Netzwerken geradezu einlud.

Fazit

Wie jedes Jahr war auch diesmal das Fazit: „Es hat sich gelohnt!“. Der World Usability Day ist immer einen Besuch wert. Es gibt nicht viele etablierte Veranstaltungen mit so breit aufgestelltem Publikum (Studenten, Freelancer, Forscher, Agenturen bis hin zu Global Playern), auf denen ein derart unaufgeregter aber reger Austausch stattfindet.

Ein großes Dankeschön an das Orga-Team!

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Astrid Winkel

Astrid Winkel ist Dipl.-Psychologin mit Schwerpunkt Medien- & Pädagogische Psychologie, Nebenfach Informatik. Sie ist zertifizierte Softwaretesterin nach ISTQB, Scrum Master (PSM I) und unterstützt unsere Projektteams bei Themen rund um die Qualitätssicherung. Aufgabenschwerpunkte: Testing (Planung, Test, Reporting), Auswahl und Einsatz von Tools, Anwenderschulung und Dokumentation.

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