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[Case Study] Wie Google sein “Medic Update” revidierte

Ende 2018 las ich auf SEARCH ENGINE LAND einen interessanten Beitrag darüber, welche SEO-Maßnahmen ein Ärzte-Bewertungsportal ergriff, um sich vom sogenannten “Medic Update” zu regenerieren. In diesem Beitrag zeige ich anhand von 8 Beispielen, dass diese Optimierungen nahezu nichts mit der Verbesserung der Sichtbarkeit zu tun hatten, sondern einzig und allein das Werk Googles waren.

Was war passiert?

August 2018 trug sich einer der spürbarsten Google-Updates der digitalen Neuzeit zu. Dabei gab es, so zumindest vorerst angenommen, zahlreiche Gewinner und Verlierer im Gesundheitsbereich. So oder so ähnlich kam es zu der Bezeichnung “Medic Update”. Wie sich allerdings mit der Zeit herausstellte, waren bei weitem nicht nur Gesundheitsdomains betroffen, sondern auch weitere Branchen, wie zum Beispiel zahlreiche Domains von Finanzdienstleistern. Hin- und wieder fiel auch der Begriff ‘Your Money or Your Life Update’ (YMYL Update). Während sich die Gewinner bequem zurücklehnten, taten die Verlierer alles, um sich aus dem Sichtbarkeitstal zu befreien. So auch die Geschichte des Ärztebewertungsportals. Dann kam der Oberknaller ca. zwei bis drei Monate später, Oktober/November 2018. Einige Gewinner wie auch Verlierer rutschten zurück auf den Sichtbarkeitsstand vor dem Google-Update. Die ungeklärte Frage bleibt, warum einige Domains diese Berg- und Talfahrt hinlegten und andere wiederum auch nach Ablauf dieser zwei bis drei Monate weiterhin auf dem Berg bzw. im Tal blieben.

Nichts tun, ist manchmal das Beste

Einige Websitenbetreiber, wie auch das angesprochene Ärztebewerungsportal, meinten die Antwort auf die Frage gefunden zu haben, indem sie die SEO-Artillerie ausfuhren und die komplette Website auf den Prüfstand setzten. Ich muss gestehen, wenn das Medic Update negative Auswirkungen auf unsere Kunden-Domains gehabt hätte, hätte wohl auch ich den Drang zum Aktionismus verspürt – nicht zuletzt da ein Großteil unserer Kunden aus dem betroffenen Finanzdienstleistungs- und Gesundheitsbereich (‘YMYL’) kommt. Glücklicherweise war keines unserer Kunden-Domains negativ betroffen, sodass ich gar nicht erst in diese unangenehme Situation kam. Aufgrund unseres eigenen Branchen-Monitorings war mir für die Versicherungsbranche aufgefallen, dass viele Domains aus diesem Bereich weitläufig deutliche Sichtbarkeitsveränderungen aufzeigten. Mitte August veröffentlichte ich dazu eine Auswertung, die das Ausmaß des Google-Updates in der Versicherungsbranche spürbar werden ließ. Am gleichen Tag noch hagelte es nervöse Anrufe und E-Mails bei uns in der Agentur. Einige Online-Manager gerieten, aufgrund der Auswertungspublikation in Medien und Presse, in Erklärungsnot, was mir im Nachhinein sehr Leid tut, aber keineswegs meine Absicht war. Viele fragten mich verzweifelt, was sie denn tun sollten. Leider konnte ich damals keine zufriedenstellende Antwort liefern, außer dass man abwarten und sicherheitshalber eine Domain-Analyse machen solle. Heute bin ich froh, keine Optimierungsempfehlungen gegeben zu haben. Denn sie wären vergebens gewesen.

Um wieder auf das ursprüngliche Thema zurückzukommen: Der Ärzte-Bewertungsportalbetreiber ging den entgegengesetzten Weg. In einem sehr aufwändigen Verfahren wurde bis zum Abwinken analysiert und optimiert. Das kann alles hier nachvollzogen werden. Diese Zeit sollte man sich allerdings sparen. Denn ich behaupte, dass alle beschriebenen Bemühungen des Portals reine Zeitverschwendung waren. Die Sichtbarkeit der Domain hätte sich so oder so erholt. Dafür sprechen im Wesentlichen, dass das beschriebene Phänomen bei weitem kein Einzelfall war. Sichtbarkeitsanstiege in Höhe von mehreren (Sistrix) Sichtbarkeitspunkten (beim Ärzte-Bewertungsportal von SI 72 auf 156) werden auf dem Niveau – sofern nicht drastische technische Fehler vorliegen –  nicht innerhalb von zwei Monaten mithilfe von etwas nofollow, interner Verlinkung, etc. erreicht. Im Einzelfall mag das vielleicht mal derart ruckartig vorkommen, aber nicht für eine Vielzahl an Domains zum gleichen Zeitpunkt. Denn der Sichtbarkeitsverlauf zahlreicher anderer Domains wirft ein ähnliches Muster auf: Anfang August geht die Kurve entweder steil ab oder auf und nach zwei Monaten geht sie auf den gleichen Stand wie vor dem Google-Update zurück. Das legt die Vermutung nahe, dass Google sein im August initiiertes Update ca. zwei Monate später revidierte bzw. den algorithmischen Einfluss bestimmte Stellschrauben anpasste. Es wäre schon ein komischer Zufall, wenn alle anderen Unternehmen sich mithilfe ihrer Optimierungen ebenfalls genau nach zwei Monaten auf den Sichtbarkeitsstand vor dem Update regeneriert hätten bzw. zurückgefallen wären.

Diese 8 Domains lassen vermuten, dass Google sein Update revidierte

Fall A: Sichtbarkeit runter und wieder rauf

Fall 1: huk24.de

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Quelle: SISTRIX

Fall 2: allianz.de

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Quelle: SISTRIX

Fall 3: comdirect.de

Google Update comdirect
Quelle: SISTRIX

Fall 4: cosmosdirekt.de

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Quelle: SISTRIX

Fall B: Sichtbarkeit rauf und wieder runter

Fall 1: wuerttembergische.de

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Quelle: SISTRIX

Fall 2: wuestenrot.de

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Quelle: SISTRIX

Fall 3: deutsche-apotheker-zeitung.de

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Quelle: SISTRIX

Fall 4: osteopathie-berlin-wolke.de

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Quelle: SISTRIX

Das wichtigste Learning

Füße still halten 😉

 

Marcus Krautkrämer

Marcus Krautkrämer () ist als Senior Digital Consultant für den Auf- und Ausbau der Digital-Strategien innerhalb der mediaworx berlin AG verantwortlich. Im Fokus seiner Recherchen stehen die Themen Versicherungen und Finanzen.

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